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Die Karrner (Jenische) – Tiroler Zigeuner? Das fahrende Volk aus dem Vinschgau
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Die Karrner (Jenische) – Tiroler Zigeuner? Das fahrende Volk aus dem Vinschgau , 04 Apr. 2008 02:28




Die Karrner (Jenische) – Tiroler Zigeuner? Das fahrende Volk aus dem Vinschgau ...

In Tirol gibt es eine eigene Tradition der Menschen, die ständig oder zu bestimmten Zeiten auf Wanderschaft gingen. Die Gründe, warum sie ihren Heimatort verließen und zu wandern begannen, waren meist große Armut und ein starkes Anwachsen der Bevölkerung, manchmal auch politische oder religiöse Verfolgung und in selteneren Fällen vielleicht auch Abenteuerlust und die Neugier auf die Welt.

Seit dem 16./17. Jahrhundert machten sich Menschen immer wieder auf den Weg in reichere Länder, in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben. In fast allen Gebieten Tirols gab es Wanderhändler, Schmuggler, Arbeitspendler, Schwabenkinder - sie alle verließen zeitweise ihre Heimat und gingen in die Fremde. Sie wurden deshalb von denen, die daheim blieben, oft verachtet.

Ein Gebiet, in dem sich solche Wandergruppen häuften, war der obere Vinschgau: einerseits ein sehr armes Gebiet, andererseits ist die Grenze zur Schweiz sehr nahe. Beide Faktoren begünstigten die Wanderungen der dort lebenden Menschen.

Im 18./19. Jahrhundert bildeten sich im Obervinschgau die Karrner als eigene Gruppe heraus. Das waren Menschen, die mit einem Karren durch das Land zogen und "wie die Zigeuner" auf der Straße lebten. Für diese Menschen gab es auch noch andere Bezeichnungen (Storchen, Dörcher, Laninger), wobei man über die Herkunft und die Bedeutung dieser Namen allerdings nur Vermutungen anstellen kann.

Seit ihrem Auftreten bis zum Ersten Weltkrieg bildeten die Karrner eine relativ feste Gemeinschaft. Nach dem Krieg zersplitterten sich die Karrnersippen und nahmen rapide ab. Das endgültige Ende lässt sich in Südtirol mit der Optionszeit ansetzen, als viele Karrnerfamilien auswanderten.

Wie lebten die Karrner?

Das wichtigste für die Karrner war ihr Karren, den sie selbst zogen. Es war ein zweirädriger Wagen, über den sich gebogene Holzlatten wölbten, die mit einem festen Tuch bespannt waren. Vor dem Schlafengehen wurde die Wagenplane über die Ränder bis zum Boden gezogen, sodass ein geschützter Raum entstand. Das war der Schlafplatz für die Erwachsenen, während die Kinder im Wagen schliefen. Die Karrner suchten sich nur für die Wintermonate ein festes Quartier, die übrigen Monate waren sie immer unterwegs.

Ihren Unterhalt sicherten sich die Karrner auf verschiedene Weise. Sie stellten Dinge zum Verkauf her: Körbe, Besen, Schuhcreme oder Wagenschmiere aus Tierfett. Sie betrieben Handel mit Waren, die sie in entfernteren Orten gekauft hatten, zum Beispiel mit Obst und Gemüse, Wetzsteinen, Geschirr, Bildern, Tabaksbeuteln, Kräutern, Alteisen, Lumpen. Außerdem handelten sie auch mit Pferden, Hunden und Vögeln.

Daneben boten die fahrenden Menschen den einheimischen Bauern verschiedene Dienstleistungen an: Sie richteten Schirme und Pfannen, schliffen Messer oder sie unterhielten die Menschen mit ihrer Musik. Zum Teil versorgten sich die Karrner auch selbst, indem sie kleinere Tiere wie zum Beispiel Ziegen hielten.

Da es sich bei den Karrnern meist um sehr arme Menschen handelte, spielte auch das Betteln eine Rolle. Es zogen aber nur die Frauen und Kinder zu den Bauernhöfen, um zu betteln, die Männer hielten sich in der Zwischenzeit meist auf dem Rastplatz auf, wo sie andere Arbeiten verrichteten.

Die Karrner waren auch der Meinung, dass das, was in der Natur wächst, eigentlich allen Menschen gehöre. Deshalb bedienten sie sich manchmal auch auf den Feldern und Wiesen der sesshaften Bauern. Dies und das Betteln führten dazu, dass die sesshafte Bevölkerung den Karrnern meist feindlich gegenüberstand.

Lebensweise und Gewohnheiten

Lebensweise und Gewohnheiten der Karrner waren von ihrem Wanderleben und ihrer Armut geprägt und unterschieden sich insofern von denen der sesshaften bäuerlichen Bevölkerung. Das zeigte sich in ihrer Kleidung, ihren Essgewohnheiten und im Familienleben. Was Kleidung und Ernährung betrifft, waren die Karrner auf günstige Tauschgeschäfte angewiesen, so dass hier Einflüsse aus allen ihren Aufenthaltsorten sichtbar wurden.

Die Kleidung der Karrner war zwar ärmlich und meist geflickt, dafür aber bunt (geschmückte Hüte, lange bunte Röcke und Kopftücher, Halstücher, allerlei bunter Schmuck). Deshalb konnte sie für die Fahrenden zum Statussymbol werden, mit dem sie sich gegen die übrige Bevölkerung abgrenzten.

Die Karrner wurden oft als "Hundefresser" beschimpft, da Hundefleisch für sie eine ganz selbstverständliche und notwendige Nahrung war. Obwohl Menschen ja immer Fleisch von verschiedenen Tieren aßen, galt der Verzehr von Hundefleisch als abstoßend.

Von den Karrnern sagte man außerdem, dass sie sehr viele Kinder hätten, die zudem häufig unehelich geboren würden. Das kann durchaus zutreffen. Einerseits ist es in allen Gesellschaften der Welt so: je ärmer die Leute, desto größer die Zahl der Kinder. Andererseits bestand seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert ein Heiratsverbot für arme Leute, das heißt, die behördliche Heiratserlaubnis war an ein bestimmtes Einkommen gebunden. Viele Karrner waren also gezwungen, ohne Eheschließung eine Familie zu gründen.

Auch die Kindheit wies einige Besonderheiten auf. Die Kinder wuchsen auf der Straße auf, sie wurden wahrscheinlich deshalb schon sehr früh gezwungen, ihre geistige und körperliche Durchsetzungskraft zu erproben. Der Schulbesuch der Karrnerkinder war meist unregelmäßig oder fand überhaupt nicht statt. Wichtiger für das Leben auf der Straße war wohl das praktische Lernen von den Eltern beziehungsweise älteren Geschwistern.

Karrner – Tiroler Zigeuner?

Vieles in der Lebensweise der Karrner weist Ähnlichkeiten mit der der Zigeuner auf. Gemeinsam mit den Zigeunern haben sie auch, dass sie von der übrigen Bevölkerung aufgrund vieler Vorurteile, und weil sie eben anders lebten, abgelehnt und verachtet wurden. Heute noch gibt es in Südtirol den Ausdruck "streiten wie die Karrner", der nahelegt, die Karrner seien besonders streitsüchtig gewesen.

Allerdings handelte es sich bei den Karrnern - im Unterschied zu den Zigeunern - nicht um ein Volk mit einer gemeinsamen Herkunft, sondern sie waren eine bestimmte soziale Gruppe innerhalb der Tiroler Bevölkerung, während die Zigeuner eine eigene Volksgruppe (Ethnie) bilden.



Quelle dieses Unsinns ist die "Gesellschaft für bedrohte Völker" - Wer da wohl wieder einmal mit am Wirken war!?

Die Vinschger Karrnerlieder - Überlieferte Geschichte




Immer schon haben sich Menschen mittels Musik und entsprechenden Liedern über ihr Leben mit den täglichen Freuden, Leiden und Mühen ausgedrückt. So hatten auch die Vinschger Karrner eigene Lieder und Texte, von denen noch viele bildhafte Anschauungen, Ausdrücke, Redewendungen und Geschichten im Volk lebendig geblieben sind.

Diese Tatsache regte den 1937 in Laas geborenen Künstler Luis Stefan Stecher an, 1978 die „Korrnrliadr“ in Vinschger Mundart herauszugeben. Nicht zuletzt und deshalb, um das Thema dieser freiheitsliebenden Außenseiter Alt-Tirols aufzugreifen und ihnen somit eine Art verspätetes Denkmal zu setzen.

Diese Texte wurden anschließend mehrfach vertont. Einer dieser Komponisten ist Ernst Thoma, der gemeinsam mit den Musikern Hannes Ortler und Martha Rauner-Stecher auch eine CD veröffentlicht hat.

Im Pustertal wurde das Lied „Mai Maadele, mai Tschuurale“ durch die originelle Musikgruppe „Titlà“ bekannt und auf dem Tonträger „zin ungiwejn“ 1998 zu hören.

Aufgrund des positiven Echos der Erstausgabe von „Korrnrliadr“ hat Luis Stefan Stecher dann 2001 eine Neuausgabe mit hochdeutscher Version und einer von ihm besprochenen Audio-CD im Folio-Verlag herausgegeben.

Olli Korrnr liagn,
hotr Korrnr gsogg.
Oovr umti Woorat
Wäarpma ioo nia gfrogg.

Lai di Tektr unti Pfarrar
Mochn umma Luug an Pougn.
Deis isch di pläkkat Woorat
Oodraa drlougn.

In Glurrnz umma holwe naine
Hozan Klumprr toun, an touln,
doo hota setta Korrnr
di Glurrnzr di Woorat gschtouln.
Alle Karrner lügen,
hat der Karrner gesagt.
Aber nach der Wahrheit
wird man ja nie gefragt.

Nur die Doktoren und die Pfarrer
machen einen großen Bogen um die Lüge.
Das ist die nackte Wahrheit
oder auch erlogen.

In Glurns um halb neun
hat es gehörig gekracht,
da hat so ein Karrner
den Glurnsern die Wahrheit gestohlen.
Aus: Korrnrliadr. Von Luis Stefan Stecher. Folio-Verlag, 2001

Unser Kommentar:


Allerdings handelte es sich bei den Karrnern - im Unterschied zu den Zigeunern - nicht um ein Volk mit einer gemeinsamen Herkunft, sondern sie waren eine bestimmte soziale Gruppe innerhalb der Tiroler Bevölkerung, während die Zigeuner eine eigene Volksgruppe (Ethnie) bilden.


Was denkt Ihr was los wäre wenn unsereins so einen Schwachsinn über die Sinte oder Rom verbreiten würde? Wenn eine Opfergruppe der anderen - entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen! - das Recht auf deren Existenz als eigenständige Volksgruppe abspricht ist das schon mehr als nur traurig!

Und wenn man überlegt das bei dieser "Gesellschaft für bedrohte Völker" wieder einmal die gleichen Leute mitwirken die uns Jenische vor noch gar nicht so langer Zeit einer Landesregierung gegenüber als "Unterlultur" der Sinti verkaufen wollte wird mir einfach nur noch speiübel!

Aber was soll man schon anderes erwarten wenn man mal nachschaut wer dort das "Kommando" führt, Rose, Strauss und co meinen es halt doch sehr gut mit uns. Mittlerweile hat zumindest die Politik eingesehen das man uns nicht länger als "Soziale Randgruppe" definieren kann was demnächst wohl auch zu unserer Anerkennung als Volksgruppe führen wird, mal schauen was den Herren dann wieder einfällt um unserem Volk das Existenzrecht abzusprechen ...


Geändert von -Bundes-Sekretariat- am 4.Apr.2008 14:44



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